In Umbria angekommen

 

Umbria und ganz genau San Pietro a Monte in Nord-Umbria ist unsere nächste Station. Dieses kleine Dorf liegt mitten in den Hügeln, die Landschaft ist in sehr vielen unterschiedlichen Grüntönen gehalten. Kein Wunder, denn nachmittags gibt es meistens ein Gewitter und somit kann alles gut wachsen. Die Außenfassade der Häuser ist nun nicht mehr so bunt wie in der Po-Ebene, sondern zeigt den Naturstein. Insgesamt ein wunderschöner, naturfarbener Anblick.

Wir gehen es ruhig an, denn das meiste in der Umgebung haben wir vor zwei Jahren schon besichtigt, Gubbio, Assisi, Spello, den Lago Trasimeno, Cortona, was ihr in meinem Buch ‚Sommer in Italien‘ nachlesen könnt. Jetzt allerdings genießen wir ausgiebig den Pool, der gleichzeitig unser Fitnesscenter ist: Blätter rausfischen, Terrasse fegen und ertrinkende Bienen und Frösche retten. Es ist also nicht langweilig.

San Pietro liegt zwischen zwei Bergketten, fährt man nach Westen so gelangt man in die Toscana, fährt man nach Osten in die Marche. Und genau das tun wir. Einer der Orte, die wir bei der letzten Reise verpaßt haben, ist die Fattoria La Vialla.

Mittagessen in der Fattoria La Vialla in der Toskana
Trattoria La Vialla

La Vialla heißt auf toskanisch kleiner Pflug und ist der Name des in Deutschland sehr bekannten Bauernhofes, der dieses Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert. Der Hof ist inzwischen sehr groß geworden und kann besichtigt werden. Wir haben uns im Vorfeld für den pranzo, das Mittagessen, angemeldet. Eine Stunde etwa müssen wir fahren, über den kleinen Pass der Bergkette und durch wunderschön gelb blühende Sonnenblumenfelder mit den typisch toskanischen Zypressen im Hintergrund. Wie aus dem Bilderbuch. Zunächst machen wir eine kleine Führung mit. Da gibt es zum Beispiel den Weinkeller, die Ölmühle und die Bäckerei, die wir erklärt bekommen und wo wir auch immer etwas probieren können. Dann geht es unter einen riesigen schattigen Baum auf einer Anhöhe. Dort steht ein lange Tafel mit etwa 30-40 Plätzen, ganz so, wie man es sich vorstellt. Wir essen gute vier Stunden lang!

Antipasti zum Aperitif in der Fattoria La Vialla
Zum Aperitivo

Zunächst gibt es einen Aperitivo im Stehen mit kleinen leckeren Häppchen und dann noch ein 4-Gänge-Menu. Mit den entsprechenden Weinen dazu und alles mit Zutaten, die auf der Fattoria auch produziert werden. Nach diesem unterhaltsamen Mittagessen fahren wir gut gesättigt nach Umbria zurück. Der Tag hat sich gelohnt, und es wäre schade gewesen, diesen Ausflug nicht gemacht zu haben.

Die Marche sind ebenfalls über eine Bergkette, diesmal in Richtung Osten, zu erreichen. Drei Wege führen dort hin. Wir entscheiden uns für einen unterschiedlichen Hin- und Rückweg. Unser Ziel ist die Universitätsstadt Urbino, die auch wieder mal Weltkulturerbe ist. Die Städte hier sind fast alle sehr mittelalterlich geprägt, überall hängen bunte Fahnen und Flaggen zwischen den Häuserwänden, in Urbino sogar Drachen.

Drachen in Urbino in den Marken
Urbino in den Marche

Wir fahren also über Gubbio und dann durch ein großes Steinbruchgebiet bis wir nach fast zwei Stunden in Urbino ankommen. Die Strecke ist wegen der vielen Schlaglöcher sehr anstrengend zu fahren. Die Landschaft entschädigt dann aber dafür. In Urbino angekommen fahren wir ganz nach oben zur Fortezza, wo es kostenlose Parkplätze gibt.

Blick auf die Stadt Urbino in den Marken
Panaroma von Urbino

Die gut erhaltene Fortezza ist nicht zu besichtigen, bietet aber einen tollen Blick auf das großartige Stadtpanorama. Zur ersten Orientierung ist das auch sehr nützlich. Da Urbino die Geburtsstadt Raffaellos ist, gibt es hier sein Geburtshaus und ein Denkmal anzuschauen. Aber auch einen Palazzo Ducale und ein ehemals jüdisches Ghetto. Wir belassen es bei einem schönen Stadtrundgang, denn wir wollen um 16:30 Uhr in Urbania sein. Ein kleiner Ort, nur eine halbe Stunde von Urbino entfernt.

Hügel in den Marken
Hügellandschaft

Die Fahrt dorthin geht durch eine Hügellandschaft, bei der sich das Grün der Bäume und das helle Braun der landwirtschaftlichen Flächen abwechseln. Es geht bergab, Urbania liegt am Fluss Metauro.

Als erstes besichtigen wir mit einer kurzen italienischsprachigen Führung die Chiesa dei Morti. In dieser kleinen Kapelle befinden sich 18 mumifizierte Leichen aus dem 16. / 17. Jahrhundert. Sie stehen in einem Halbkreis in Nischen, und die Führerin erläutert Alter, Geschlecht und Todesursachen der Mumien. Sie sind deshalb so gut erhalten, weil ein konservierender Schimmelpilz sie befallen hat. Und sie wurden auf einem innerstädtischen Friedhof exhumiert nachdem Napoleon Beerdigungen innerhalb der Stadt 1804 verbot.

Mumie in der Chiesa dei Morti in Urbania
In der Chiesa dei Morti in Urbania

Danach machen wir noch einen Rundgang durch das kleine Städtchen. In einer kleinen Gasse kommen wir ins Gespräch mit Einheimischen, für die die Gasse der Vorgarten ist.

Gasse mit Fiat 500 in Urbania
Gasse in Urbania

Viele Blumen, ein paar Stühle und ein paar Katzen geben ein herrliches Bild ab. Der Fiat 500 ist übrigens schon 47 Jahre alt und steht noch immer gut da. In Urbania gibt es auch eine Sprachschule. Ich kann mir gut vorstellen, wie das Erlernte nach dem Unterricht mit den Einheimischen vertieft werden kann.

Den Heimweg wollten wir dann über eine alternative Route angehen. Das wurde am Ende eine sehr aufregende Tour, die drei Stunden dauerte. Denn angezeigt wurde irgendwann, dass die gewünschte Straße aufgrund von Erdrutschen gesperrt war, aber wie üblich gab es keine Auszeichnung einer Umleitung. Also testeten wir die Strecke zunächst bis es dann tatsächlich nicht mehr weiter ging. Keine Umleitung, wir waren ja auch mitten in den Bergen, also fuhren wir den gleichen Weg zurück. Das Navi hatte auch nicht wirklich eine alternative Route und wollte uns immer wieder über diesen gesperrten Hügel leiten. Dann aber fanden wir dank Google eine Möglichkeit mit Straßen, die es eigentlich gar nicht gibt.

Zunächst fing es gut an, eine kleine, aber gut asphaltierte Straße führte an kleinen Bauernhöfen vorbei in ein parallel liegendes Tal. Irgendwann wurde die Straße dann aber zu einer Schotterpiste, die sich den Berg hochschlängelte. Wirklich sehr entfernt von jeder Zivilsation oder irgendwelchen Hinweisen, wohin es denn gehen könnte. Ab und an eine Gabelung, wo wir den Weg nur erahnten, weil wir inzwischen auch kein Netz mehr hatten. Immerhin kamen ab und zu ein paar Autos entgegen, das machte Hoffnung. Laut Navi fuhren wir nicht mehr auf einer Straße, sondern quer durch die Landschaft.

Die Provinzgrenze zwischen den Marken und Umbrien
Irgendwo in Italien

Irgendwann zeigte uns ein verrostetes Straßenschild, dass hier die Provinzgrenze verläuft. Das war also schon mal richtig. Das absolute Highlight dieser Strecke waren aber die Ausblicke auf den Sonnenuntergang mit der glutroten Sonne über den grünen Hügeln. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Sonnenuntergang mit Tabakfeld in Umbrien
Unglaublich schön

Am Ende lief uns dann auch noch ein Reh über den Weg bis wir nach einer guten halben Stunde wieder eine asphaltierte Straße und Häuser erreichten. Und zuhause angekommen uns erst einmal ein Glas Wein gönnten.